"Ungereimtheiten"

In der Ausgabe 02/2018 der „Kriminalistik“, einer strafrechtlichen Fachzeitschrift, veröffentlichte ich einen Artikel mit dem Titel „Verteidiger – Erfahrungsbericht eines langjährigen Staatsanwalts“.

Dieser würdigt die Bedeutung des Strafverteidigers für den Strafprozess, zeigt aber auch die Einseitigkeit der Verfahrensrolle und die oft und gravierend anzutreffenden Defizite in der anwaltlichen Praxis auf.

Auf dem Blog „Strafprozesse und andere Ungereimtheiten“ eines Strafverteidigers namens Werner Siebers findet sich dazu der Versuch einer Antwort. Diese liest sich freilich wie das prototypische Werk des schlechten Verteidigers: beleidigt, hochemotional, polemisch, unsouverän, substanzlos - kurz: in Stil wie Inhalt auf der Nulllinie. Einer sachlichen Befassung sind die Ausführungen von Siebers insoweit nicht zugänglich.

Anzumerken bleibt zu dem Blogbeitrag daher vor allem eine gewisse Verwunderung über Siebers Idee, gerade auf diese Art die Reputation des Anwaltsstandes hochhalten zu wollen.

Für seine Mandanten kann man ferner nur hoffen (leider nicht: glauben), dass er nicht auch auf diesem Niveau verteidigt.

Denn das Privileg, abseits verfahrensbezogener Entscheidungen an der Entstehung und Vermittlung von juristischem Wissen mitarbeiten zu können, hat RA Siebers nicht. Und die gebotene Kostprobe seines "Könnens" schließt aus, dass er dieses jemals erhalten wird.

Für am Thema "Verteidiger" serös Interessierte sei noch nachgetragen, was tatsächlich Inhalt und These des Artikels ist:

Dieser würdigt die Bedeutung des Strafverteidigers für den Strafprozess und stellt klar: Verteidiger haben „eine auf den Rechtsstaat bezogene Aufgabe. Und diese Aufgabe ist unbestrittenermaßen auch wichtig.“ Zur anwaltlichen Praxis stellt er ferner dar: „Erfreulich häufig erlebt der Justizjurist Verteidiger, die nicht nur um ihre Rolle wissen, sondern sie auch sachkundig und sachgerecht ausfüllen.“ Der Artikel zeigt aber auch auf, dass Rolle und Blick der Verteidiger stets parteilich sind, denn Verteidiger sind „zu nichts anderem verpflichtet als zur einseitigen Interessenwahrnehmung des Beschuldigten“, nicht aber der Belange des Opfers oder des ordnungsgemäßen Verfahrens. Darin liegt, wie dargelegt wird, auch der zentrale Unterschied zu den zur Objektivität verpflichteten Richtern und Staatsanwälten. Und der Beitrag berichtet von den leider sehr oft anzutreffenden Defiziten in der anwaltlichen Praxis, etwa „von groben Fehlern in Schriftsätzen über Polemik und haltlose Vorwürfe gegen Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht bis zu Konfliktverteidigung und einem Missbrauch des Mandatsgeheimnis“ – wobei gezeigt wird, dass solche Defizite anwaltlicher Rollenwahrnehmung in der Praxis ein so gravierendes Problem darstellen, dass Verteidiger de facto als „Ratgeber nur sehr beschränkt“ geeignet sind.

 

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© Bijan Nowrousian